Springheel´d Jack (Federfersen Jack)

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  • Springheel´d Jack (Federfersen Jack)

    Über sechzig Jahre lang trieb Springheel´d Jack (auch Spring Heeled Jack, Springheel Jack oder Spring-heel Jack in ganz England, von London im Süden bis nach Sheffield und Liverpool im Norden, sein Unwesen. Die meisten Berichte von Sichtungen und Überfällen stammen jedoch aus Vororten von London und Mittelengland. Bei Springheel´d Jack soll es sich um ein Wesen gehandelt haben, das zu riesigen Sprüngen imstande war. Es wurde davon berichtet, dass er mit Leichtigkeit über eine mannshohe Mauer oder gar Häuser springen konnte. Aufgrund dieser Fähigkeit bekam er auch seinen Namen. Zeugen und Opfer beschrieben seine Gestalt als furchteinflößend oder teuflisch. Er soll von athletischer und kräftiger Statur gewesen sein, an den Händen besaß er scharfe, metallische Klauen und die hervorstehenden Augen glühten rot wie Feuer. Unter seinem Umhang trug er ein eng anliegendes Gewand aus Ölzeug und konnte weiße oder blaue Flammen aus seinem Mund spucken. In einigen Berichten hieß es, dass er einen Helm getragen habe und Hörner oder große spitze Ohren besaß, die an den Teufel erinnerten.


    Die Opfer

    Der erste bestätigte Sichtung stammt aus dem Jahr 1837. Ein Geschäftsmann, der im September jenes Jahres spät in der Nacht heimkehrte, wurde Zeuge davon, wie eine Gestalt mit Leichtigkeit über eine Friedhofsmauer von beachtlicher Höhe sprang. Obwohl es zu keinem Angriff kam, berichtete der Mann von der beängstigen Erscheinung, der teuflischen Fratze, der markanten Nase und den spitzen Ohren.
    Kurz nach dieser Sichtung kam es zum ersten Angriff. Polly Adams, ein Barmädchen, wurde in Begleitung von zwei weiteren Frauen vom Springheel´d Jack überrascht. Weil Polly stolperte und zu Boden ging, gelang ihr als Einzige nicht die Flucht. Der Angreifer riss die Bluse auf, begrapschte ihre nackte Brust und zerkratzte ihren Bauch mit seinen Klauen. Bewusstlos und blutüberströmt ließ er das Opfer zurück, das drei Stunden später von der Polizei an genau der Stelle aufgefunden werden konnte. Polly Adams überlebte.

    Nur einen Monat später, im Oktober '37, wurde das Dienstmädchen Lavender Hill in einer dunklen Gasse vom Springheel´d Jack attackiert. Während er sie am Flüchten hinderte, indem er ihren Arm fest umklammerte, spürte sie seine Haut, die sie als kalt und klamm, wie die einer Leiche beschrieb. Er küsste ihr Gesicht und begann währenddessen damit sie zu entkleiden. Weil Lavender Hill lautstark um Hilfe schrie, konnte sie ihren Angreifer in die Flucht schlagen.
    Bereits einen Tag später sprang Springheel´d Jack wie aus dem Nichts auf den Weg vor eine vorbeifahrende Kutsche. Die Pferde erschraken, der Kutscher verlor die Kontrolle, und das Fahrzeug verunglückte, wobei der Kutscher schwer verletzt wurde. Mehrere Augenzeugen berichteten, wie der Angreifer anschlie-ßend über eine fast drei Meter hohe Mauer sprang und mit gellendem Gelächter floh. Diese Art der Angriffe sollte zukünftig zu einer typischen Vorgehensweise des Springheel´d Jacks werden.

    Ein paar Tage darauf wurde abermals eine Frau Ziel eines Angriffes. Sie wurde in der Nähe einer Kirche in Clapham überfallen, überlebte den Überfall jedoch. Erstmals konnte die Polizei Spuren am Tatort sicherstellen. Dabei handelte es sich um Fußabdrücke, die circa sieben eineinhalb Zentimeter tief waren, was darauf schließen ließ, dass jemand aus großer Höhe dort gelandet war. In den Fußspuren wurden Abdrücke gefunden, die nahelegten, dass der Angreifer eine Vorrichtung unter den Schuhen besaß, mit dem es ihm möglich war, diese Sprünge zu absolvieren. Die Polizei ging von einer Sprungfeder aus. Leider wurden keine Gipsabdrücke von den Spuren gemacht.
    Am 18. Februar 1838 befanden sich die Schwestern Magret und Lucy Scales auf dem Nachhauseweg von ihrem Bruder George, der im Bezirk Limehouse lebte. Beim Betreten der Green Dragon Alley sprang eine Gestalt aus dem Schatten direkt vor die Füße der beiden Mädchen. In seiner Hand hielt er eine Art Laterne. Die achtzehnjährige Lucy, die wenige Fuß vor ihrer Schwester gegangen war, wurde vom Springheel´d Jack mit Feuer bespuckt und im Gesicht getroffen. Das Opfer ging sofort zu Boden und erlitt einen Schock. Über Stunden litt Lucy unter starken Krämpfen. Mindestens vier Augenzeugen berichteten, dass der Täter nach dem Angriff, mit einem Satz auf ein nahes Hausdach gesprungen und geflohen war.
    Zwei Tage danach, am 20. Februar, im Bezirk Bow öffnete die achtzehnjährige Jane Alsop einem angeblichen Polizisten die Haustür. Der Beamte bat sie, ihm ein Licht zu bringen. Er behauptete, dass er und einer seiner Kollegen den Springheel´d Jack auf der Straße gefasst hatten. Als Jane dem Mann den Rücken zudrehte, griff er sie an, zerrte an ihrem Kleid und an ihren Haaren. Durch Janes Panikschreie wurden Familienmitglieder auf den Vorfall aufmerksam und kamen der jungen Frau zu Hilfe.

    Eine Woche später klopfte jemand an die Tür eines Hauses in der Turner Street. Ein junger Diener öffnete die Haustür und die dunkle Gestalt bat mit tiefer Stimme, den Herrn des Hauses zu sprechen. Als der Diener sah, dass die Augen des Fremden rot leuchteten, geriet er in Panik, schrie und alarmierte damit die Nachbarn. Wütend fuchtelte der Springheel´d Jack mit seiner Klauenhand vor dem Gesicht des Dieners herum, wandte sich von diesem ab und verschwand. Als der Mann dem Diener seinen Rücken zukehrte, konnte dieser ein goldenes "W", das einem Wappen ähnelte, auf dem Mantel der Gestalt erkennen. Ein Indiz, das später noch von Bedeutung werden sollte.
    Nachdem es eine Zeit lang ruhig um Springheel´d Jack geworden war, wurde 1843 erneut mehrfach über ihn berichtet. Diesmal tauchte er in Hampshire und im Osten Englands auf, wobei Angriffe auf Postkutschen beinahe an der Tagesordnung waren. Viele Menschen wurden dabei verängstigt und verletzt.

    Zwei Jahre später, 1845, wurde aus dem "Schreckgespenst" ein Mörder. Zeugen berichteten, wie der Springheel´d Jack die dreizehnjährige Prostituierte Maria Davis auf einer Brücke über dem Folly Ditch, einem modrigen Graben in Jacob´s Island, Feuer ins Gesicht spie und sie danach in das schlammige, stinkende Wasser stieß. Die Polizei konnte die Leiche bergen, das Urteil lautete zwar Tod durch Unfall, für die Zeugen und Bewohner stand jedoch fest, dass der Springheel´d Jack in jeder Nacht zum Mörder geworden war.

    In den 50er, 60er und Anfang der 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde noch häufig vom Springheel´d Jack berichtet, der hauptsächlich in kleinen Orten in Mittelengland gesehen wurde, aber auch in und um London immer wieder auftauchte.

    Im April 1877 kommt es zu einem der aufsehenerregendsten Vorfälle. Vor der Kaserne von Aldershot hielt ein Soldat namens John Regan am Nord-Camp Wache, als eine seltsame Gestalt auf ihn zugehüpft kam und dabei ein metallisches Geräusch von sich gab. Das Wesen landete hinter dem Soldaten und schlug ihn mit seinen eiskalten Händen ins Gesicht. Durch den Lärm, der bei dem Kampf entstand, wurden weitere Soldaten darauf aufmerksam. Alle berichteten später davon, wie das Wesen einfach über sie hinwegsprang, teuflisch lachte und zu warten schien, was die Männer machen würden. Als die Soldaten, ohne Wirkung (wahrscheinlich aufgrund von Platzpatronen), auf die Gestalt schossen, spie sie blaue Flammen aus ihrem Mund, was die Männer in Panik versetzte, weshalb sie ihren Posten verließen, und Springheel´d Jack davon sprang. Es folgten weitere Angriffe auf Wachposten in Aldershot, bei denen die Beschreibungen des Angreifers übereinstimmten.

    Der letzte, dem Springheel´d Jack zugeschriebene, Vorfall ereignete sich im Jahre 1904. Er soll auf dem Dach der Saint Francis Xavier-Kirche in Everton gestanden haben, von dem er hinuntersprang, sich mit gellendem Gelächter auf eine Gruppe Menschen stürzte und danach mit riesigen Sprüngen floh.


    Die Theorien

    Die Wette: Eine Annahme, von der auch die ermittelnden Polizisten ausgingen, besagt, dass hinter dem Springheel´d Jack mehrere Personen und deren Nachahmer steckten, die einen makaberen Sinn für Humor hatten, denen es Spaß bereitete Angst und Schrecken zu verbreiten und Frauen zu belästigen. Was diese Theorie untermauert, ist ein anonymer Brief eines Bewohners aus Packham, der im Januar 1838 bei dem Londoner Oberbürgermeister eingegangen war und wie folgt lautete:

    „Es scheint, dass einige Personen (aus den, wie der Schreiber glaubt, höchsten Rängen des öffentlichen Lebens) mit einem leichtfertigen und törichten Gesellen eine Wette geschlossen haben, dass er die Aufgabe nicht zu erfüllen vermöge, eine Reihe der nahe London gelegenen Dörfer in drei verschiedenen Verkleidungen zu besuchen – als Geist, als Bär und als Teufel; und dass er außerdem nicht in der Lage sei, den Garten eines Gentleman zu betreten, um die Bewohner des Hauses zu beunruhigen. Die Wette wurde jedenfalls geschlossen und der feige Schurke hat bis jetzt sieben Damen ihrer Sinne beraubt, von denen zwei sich bis jetzt noch nicht erholt haben und ihren Familien zur dauerhaften Bürde zu werden drohen.
    Bei einem Haus klingelte der Mann, und als die Dienerin kam, um die Tür zu öffnen, stand dieser Unmensch perfekt verkleidet als erschreckendes Gespenst vor ihr. Infolgedessen fiel das arme Mädchen auf der Stelle in Ohnmacht und ist seitdem nicht mehr bei Sinnen.
    Diese merkwürdigen Umtriebe geschehen nun schon seit geraumer Zeit, und – so seltsam es anmutet – dennoch verschweigen die Zeitungen diese Vorkommnisse. Der Schreiber hat Grund zu glauben, dass ihnen die ganze Geschichte wohlbekannt ist, aber dass sie durch eigennützige Motive zum Schweigen veranlasst wurden.“

    Die Massenhysterie: Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Berichte der Opfer, durch Angst begünstigt, immer heftiger ausfielen, wobei es in Wahrheit nur ein paar Scherzbolde waren, die über Dächer sprangen und Leuten erschreckten. Durch Übertreibungen oder weil man vorherige Opfer mit der eigenen Geschichte übertrumpfen wollte, wurden die Erzählungen dabei immer wahnwitziger und so kam es zu der urbanen Legende um den Springheel´d Jack.

    Der verrückte Marquis: Der Hauptverdächtige dieser Theorie ist der irischen Adligen, Henry de La Poer Beresford, den dritten Marquess von Waterford. Auf ihn kam man, durch das Familienwappen, welches ein goldenes "W" beinhaltete. Es wird davon ausgegangen, dass ein beschämendes Erlebnis mit einer Frau und einem Polizisten dazu geführt haben soll, weshalb er sich an Frauen und Polizisten rächen wollte. Außerdem war Marquis bekannt dafür, grausame Scherze zu mögen und für eine Wette alles zu tun. Er war zu vielen Tatzeiten in der Nähe der Tatorte und fiel durch Schlägereien im Vollrausch auf. Gerüchten zufolge soll er mit Hilfe von Freunden, die Experten auf dem Gebiet der Mechanik waren, die Schuhe mit den Sprungfedern und den Anzug hergestellt haben. Zusätzlich soll er sich Techniken des Feuerspuckens angeeignet haben.

    Der gestrandete Außerirdische: Anhänger dieser Theorie gehen davon aus, dass hinter dem Springheel´d Jack ein Außerirdischer steckte, der auf der Erde gestrandet sei. Die übermenschliche Sprungkraft würde sich damit erklären lassen, dass der Außerirdischen von einem Planeten stammt, auf dem es eine größere Anziehungskraft gibt. Sein verrücktes Verhalten wird darauf zurückgeführt, dass er so lange von seinesgleichen isoliert verbracht hatte. Auch die lange Lebenszeit wird damit erklärt, dass diese Rasse von Außerirdischen eine deutlich längere Lebenserwartung hat, als die menschliche.

    Die andere Dimension: Ähnlich wie die Theorie um den Außerirdischen, verhält sich die, um einen Gestrandeten aus einer anderen Dimension. Anhänger glauben, dass der Springheel´d Jack aus einer anderen Dimension oder einem Paralleluniversum stammte, in die/das er nicht mehr zurückkehren konnte. Seine übernatürlichen Fähigkeiten sind in jener Dimension oder in jenem Paralleluniversum gewöhnlich.

    Der Dämon: Die Anhänger dieser Theorie gehen davon aus, dass sich der Springheel´d Jack entweder aus eigener Kraft oder durch die Hilfe eines Okkultisten in dieser Welt manifestiert habe, und seitdem für Angst und Schrecken sorgte.

    Das Känguru: Andere gehen davon aus, dass ein Dompteur hinter dem Spuk steckte, der ein Känguru in verschiedene Verkleidungen gezwängt habe.





    Quellenangaben:

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